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Kommentare zu simulacrum (Film)

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26 Kommentare (davon 8 mit Bewertung)
Durchschnittsbewertung: 9.00 Punkte
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CIS
Admin
21.02.2010 17:19
Kommentare: 219
Forenbeiträge: 43

Bewertung:
8 / 10 Punkte
Auch diese Rezension muss im Einerseits-Andererseits enden:

Die Bildgestaltung ist top, hier merkt man deutlich, dass gute Leute am Werk waren, die sich Gedanken gemacht haben. (Bei einer Einstellung am Anfang (u.a. 0:42) meinte ich aber, dass die Schärfe nicht ganz stimmt.)

Die Darsteller sind wahrlich nicht schlecht; teilweise aber etwas schlecht zu verstehen. Den Satz bei 3:10/11 habe ich akkustisch erst im dritten Anlauf verstanden.

Dafür ist die Story überhaupt nicht innovativ, reiht teilweise auch Klischées aneinander:
Als der Protagonist bei 06:45 auf seine Freundin hinweisen will, weiß jeder, dass sie nicht mehr da ist (Und ich frage mich da immer, ob es möglich ist, dass da jemand einfach so verschwinden kann, ohne das man das merkt.); bei 9:16 genauso; dann ist mal wieder alles Schlimme nur ein Traum; und die Gestaltung der Passage am Ende, als seine Freundin von der Umgestaltung der Wohnung redet, kommt einem auch irgendwie bekannt vor.

Das Ende mehr als unvermittelt, aber auch nicht mit einem Knalleffekt. Zwar habe ich eine vage Ahnung, was mit dem Elektrogroßgerät in der Endszene angedeutet werden soll, doch hat das für mich zu wenig Schlusspunktcharakter.

Am Ende 8 Punkte für künstlerisch sehr anspruchsvolle Bildgestaltung, eine Inszenierung, die zwar ihre Mittel durchaus einzusetzen vermag, aber nicht die große Idee hat, wofür überhaupt.

Und warum der Film simulacrum heißt, hat sich mir auch nicht erschlossen.
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23.11.2017 00:33



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Jay
Administrator
21.02.2010 17:24
Kommentare: 907
Forenbeiträge: 1734

Keine Bewertung
Hi CIS,

danke für deine Rezension.

Der Titel soll sich auch nicht unbedingt erschließen. Wenn man googlet, findet man aber schnell heraus, was der Zusammenhang sein könnte ...  de.wikipedia.org/wiki/Simulacrum.
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Wollywood
ehem. User
22.02.2010 16:45
Kommentare: 24
Forenbeiträge: 61

Bewertung:
8 / 10 Punkte
Nicht schlecht ein schöner Film

Johannes
Jay
Administrator
22.02.2010 16:48
Kommentare: 907
Forenbeiträge: 1734

Keine Bewertung
Mich würde mal interessieren, wer von euch welche Interpretationen vom gezeigten hat.
Bei allen bisherigen Screenings gingen die Meinungen da teilweise weit auseinander. Und so war's geplant

Bitte die Hinweise mit einem Spoiler-Tag versehen [spoiler*] und [*/spoiler] (ohne Sternchen).
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CIS
Admin
22.02.2010 17:02
Kommentare: 219
Forenbeiträge: 43

Keine Bewertung
Spoiler (zum Lesen anklicken)
Meine Assozation fürs Ende: Er bringt sie um. Man hat in letzter Zeit so oft von Leichen in Kühltruhen oder -schränken in den Medien gelesen, dass ich da unwillkürlich dran denken musste. Da ja auch schon vorher so Einiges auf Psycho gemacht wird, fand ich das fürs Ende plausibel.
Ändert alles nichts an meinen obigen Ausführungen.
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VK
User
23.02.2010 22:32
Kommentare: 1020
Forenbeiträge: 255

Bewertung:
10 / 10 Punkte
Spoiler (zum Lesen anklicken)
Ich verstehe die Geschichte so, dass der Protagonist nicht wirklich mit seiner Angebeteten interagiert, sondern sie sich ständig als Partnerin illusioniert (das Date, die Liebesnacht, das Essen im Restaurant etc.). Deshalb zieht hier CIS's Kritik nicht, so schnell könne niemand verschwinden - da hat nie jemand gesessen
P. schafft sich sozusagen in perfekter Einbildung seine Partnerin als Holoabbild, das nur er sieht
Seine dennoch scharfe Wahrnehmung der realen Geliebten, die einen ebenso realen, anderen Geliebten hat, löst sehr reale, krankhafte Eifersucht aus - er bringt sie schließlich um und sie existiert danach weiterhin als Illusion neben ihm, jedoch mit einigen Verfallserscheinungen.
Das "Hühnchen" befindet sich in der Gefriertruhe (Menschenfleisch schmeckt wie Hühnchen).


Perfekt gemachter, psychologische Abgründe visuell sowohl erhellend als auch verwirrend umsetzender Thriller. Thumbs up!
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CIS
Admin
24.02.2010 09:49
Kommentare: 219
Forenbeiträge: 43

Keine Bewertung
Spoiler (zum Lesen anklicken)

@VK:
Ok, auch diese Gesamtdeutung bin ich jetzt ehrlich gesagt spontan gar nicht gekommen. Obwohl auch das nicht gerade etwas völlig Neues wäre.
Die Probleme, die ich mit dieser Deutung sehe, sind Folgende:
1. Die Beziehung kam mir so harmonisch gar nicht vor. Gerade z.B. bevor sie "Ich war in der Disko mit den Mädels" sagt, zögert sie kurz. Und man fragt sich, was hinter diesem Zögern steht. So etwas bekommt man da schwer unter, ohne völlige Überinterpretation.
2. Es ist zu gegenständlich: Das verlorene Handy, der Zettel unter dem Kissen, die Tamponpackung - passt das alles zu etwas, was nur im Kopf stattfindet? Da arbeiten gute Psycho-Thriller mit Zeichen, die nur für den Augenblick manifest sind, im Nachhinein aber genauso nie hätten stattfinden können.
Woher hätte er die Handy-Nummer der realen Angebeteten? (Wenn man mal die Traumsequenz als real und das Aufwachen als imaginiert betrachtet.)

Insgesamt müsste ich auch bei der Deutung dabei bleiben: Innovativ und als etwas noch nie Gesehenes empfinde ich den Film nicht.
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Jay
Administrator
24.02.2010 12:28
Kommentare: 907
Forenbeiträge: 1734

Keine Bewertung
VK: Volltreffer

Spoiler (zum Lesen anklicken)
Ich hätte gedacht, dass jeder ziemlich schnell versteht, dass sie eine Einbildung ist. Das haben zumindest die Befragungen bei den bisherigen Screenings gezeigt. Also hatte ich dir, CIS, einfach unterstellt, dass du das auch kapiert hast, nur den eben Mord (auf den im Übrigen nicht jeder kommt) nicht so innovativ fandest.

Es war übrigens nicht geplant, etwas nie dagewesenes zu produzieren. Irgendwie hat man doch alles schon mal gesehen.
Es handelt sich um eine Diplomarbeit. Da kommt es natürlich auf die Story an (für die wir durchweg positives Feedback bekommen haben), deren Ausarbeitung, die gesamte Konzeption und Organisation, Schauspiel, Regie und Produktion, und nicht zuletzt die Postproduktion an.
Ohne uns selbst loben zu wollen: Dass nur ca. 50 Prozent der Zuschauer den Film auf Anhieb komplett verstehen, war zwar so geplant, wir hatten aber nicht gedacht, dass wir das in so einer Punktlandung hinbekommen (wurde bei einem Testscreening bestätigt) und zudem sogar noch filmaffine Zuschauer wie hier im AFM aufs Glatteis führen

Viele haben sich den Film an der Diplomausstellung zweimal angeschaut, weil sie zunächst eine Ahnung hatten, aber sich ihnen eben nicht alles gleich erschlossen hatte. Erst beim zweiten Mal haben sie dann noch mehr versteckte Hinweise entschlüsselt und den Film geknackt. Übrigens würde mich interessieren, welche Hinweise ihr gleich beim ersten Mal ansehen entdeckt habt, und welche vielleicht erst beim zweiten Mal. VK?


Das Beste: Nach dem Film geht ein Raunen durch die Zuschauerreihen und man bemerkt eine Unruhe, die daraus rührt, dass über den Film diskutiert wird: "Wie hast du das verstanden?" "Ich hab das so verstanden..." "Achso! Das ist mir gar nicht aufgefallen!" "Den müssen wir nochmal anschauen."
Das habe ich bisher im Kino nur einmal erlebt ("Stay") - wir hatten uns vorgenommen diese Reaktionen ebenfalls zu provozieren.
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CIS
Admin
24.02.2010 13:41
Kommentare: 219
Forenbeiträge: 43

Keine Bewertung
Ich finde es jetzt ein bisschen erschreckend unreflektiert von dir, Jay, hier VK einen "Volltreffer" zu attestieren. Woher willst du eigentlich genau wissen, worum es geht? Ein gutes Kunstwerk ist, wenn es selbst der Künstler nicht bis ins Letzte verstanden hat.
Ich weiß bei meinen Fimen auch nie völlig, worum sie eigentlich gehn.
Es gibt da nie DIE Wahrheit, selbst wenn der Künstler gerne in ihrem Besitz wäre. Das ist zumindest meine persönliche Meinung.

Spoiler (zum Lesen anklicken)
Ich habe die ganze Zeit die Geschichte weniger "innerkopflich", als eher "zwischenmenschlich" gesehen. Ich dachte die ganze Zeit, dass sie irgendein Spielchen treibt. Und ich wusste nie welches. Vielleicht liegt es auch am Schauspiel der Darstellerin, dass mir ihr Verhalten nie so harmonisch-imaginiert, sondern eher hinterhältig-doppelbödig vorkam.

Aber eine Sache interessiert mich dann doch noch: Wenn das Hühnchen für Menschenfleisch steht, wofür stehen dann die Erbsen? Und woher weiß man überhaupt, dass Menschen wie Geflügel schmecken? Vielleicht auch nur so ein Mythos. In "The Book of Eli" wird behauptet, dass zu viel Genuss von Menschenfleisch die Hände zittrig macht. Keine Ahnung, ob auch das stimmt.
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Jay
Administrator
24.02.2010 14:02
Kommentare: 907
Forenbeiträge: 1734

Keine Bewertung
Wieso erschreckend unreflektiert?

Es war nie unsere Absicht "Kunst" zu produzieren, die wir selbst nicht mal verstehen. Davon bin ich generell kein Fan, und finde sowas dann auch eher beliebig. Wobei ich da nicht mitreden kann, weil ich mich damit nicht befasse.

Worum es geht, weiß ich so genau, weil der Film auf unserem eigenen Mist gewachsen ist
Hinter dem Film steht ein sehr detailliert ausarbeitetes Konzept. Sogar Zusammenhänge, Lebensläufe und Begebenheiten, die nicht mal im geringsten im Film angeschnitten werden, sind erdacht und ausgearbeitet worden, um die Figuren so wirken zu lassen, wie sie im Film nunmal wirken (ist halt eine Diplomarbeit, da wird der Aufwand eben auf die Spitze getrieben). Die Kunst ist es mit Absicht eine Wirkung zu erzielen, die (für eine bestimmte Zielgruppe) planbar ist.  

Die "Wahrheit" kann natürlich vom Zuschauer interpretiert werden, wenn der Filmemacher dafür Spielraum lässt (was hier der Fall ist). Wer nicht hinter die hohle Fassade des Beziehungsdramas blicken kann oder will, muss dies natürlich nicht. Uns ist schon bewusst, dass der Film dann eher schlecht abschneidet. Aber Fakt ist, dass es einfach mehr zu entdecken gibt.
Gerade wenn du von Kunst redest, und man den Film mal kurz in diese Ecke stellt, ist es doch bei den meisten Kunstwerken vermessen zu behaupten, dass das was man auf den ersten Blick sieht, schon alles ist, was es zu entdecken gibt.

Spoiler (zum Lesen anklicken)
"Hühnchen oder Erbsen" soll eigentlich zunächst einmal als seltsame Auswahlmöglichkeit verwirren. "Hähnchen oder Pute" wäre wohl die gängigere Auswahl, aber nicht so eingängig als Hinweis. Ob Thomas seine tote Geliebte nun verspeist oder nicht, sei der Phantasie des Zuschauers überlassen. Möglich wäre ja auch, dass hier nur seine Einbildung nicht ganz reibungslos funktioniert, wie z.B. bei den Erbsen, die sie sich im Bad als Ohrringe ansteckt. Wer seine Geliebte hin und wieder in der Tiefkühltruhe liegen sieht, den frostigen Kopf gebettet auf einer Packung Erbsen, direkt neben einem Hähnchen, könnte diese Erinnerung eventuell unterbewusst (z.B. als Geruch) in seine Halluzination einbauen. Oder eben nicht, und er frisst sie wirklich
Wer letztlich herausgefunden hat, dass Menschenfleisch nach Hähnchen schmecken soll, ist mir nicht bekannt. Für eine Geschichte ist doch letztlich nur relevant dass dieses "Klischee" sehr vielen vertraut ist.
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