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"Warum läuft Herr R.Amok?" - über Rainer Werner Fassbinder

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jotkraemer
User
25.01.2011 10:56
Kommentare: 2
Forenbeiträge: 5

"Warum läuft Herr R.Amok?" - über Rainer Werner Fassbinder

Abt. Genies in der Filmgeschichte - Rainer Werner Fassbinder

Ich habe mir gestern mal wieder einen alten Rainer Werner Fassbinder Film angesehen: "Warum läuft Herr R. Amok?" (1969)
Ja, da muß man schon eine Menge Geduld mitbringen, denn bei ihm gibts fast keine Schnitte, nur Schwenks auf meist sitzende und redende, redende, redende  Protagonisten und ein take dauert schon mal 8 Minuten (wurde wohl durch die Länge der Filmrolle begrenzt, man denke an Hitchcocks "Rope", aber was hat der aus diesem technischen handicap gemacht!!).
Das Licht: es ist immer gleich hell und vorhandene Lampen sind bloße Requisite.
Der Ton: manchmal versteht man kaum was, grundtonlastig, Raumresonanzen.
Natürlich ist diese nicht sehr filmische Form dem Stoff angepasst: dröges Spießbürgerleben wird eben dröge verfilmt.
Und das dauert... wie sagt man heute: gefühlte Zeit vier Stunden.
Und kurz vor Schluss gibts dann die einzige richtige Filmszene, wenn Herr R. sehr plötzlich der unentwegt plappernden Irm Hermann den massiven Kerzenständer über den Schädel haut (etwas zögerlich übrigens, weil der Kerzenständer wahrscheinlich echt war, da hätte ein wenig Zeitraffer = geringere Bildfrequenz bei der Aufnahme gut getan, aber diese Technik verwendete später erst Michael Ballhaus).
Also, ich konnte den Amokläufer Herrn R. verstehen, weil mir Frauen, denen die Worte nur so aus dem Mund fallen, auch auf den Nerv gehen, eine billige Empathie, aber seine Frau und seinen Sohn auch noch umzubringen, das ist nicht schlüssig und hat mir nicht gefallen.
Er hätte lieber den gleichzeitig pausenlos vor sich hin brabbelnden Fernseher erschlagen sollen, er hat ihn schlichtweg ausgeschaltet nach der Tötungsorgie, das war die kleine Lösung, die spießige, werterhaltende eben.
Warum wurde Fassbinder mit solchen Werken, denn "Katzelmacher" finde ich leider auch zum Gähnen, so berühmt?
Er hat zweifellos Tabus gebrochen in einer Zeit, in der man mehr geschwiegen als geredet hat (heute ist es umgekehrt). Und er hat keinerlei Illusionen (was ein wesentliches Merkmal des Filmens ist) produziert. Und er hat eben auch und ich denke, das ist der Knackpunkt, eigentlich keinerlei Empathiemöglichkeiten hergestellt und deshalb schaltet man ab beim Anschauen.
Wahrscheinlich hatte er doch einen sehr langen Zeigefinger (typisch deutsch), mit dem er auf gesellschaftliche Verlogenheiten und Widersprüche hinwies, aber, wenn man überlegt, was andere Regisseure (z.B. Joel Schumacher, "Falling Down" mit Michael Douglas; Milos Forman, "...Kuckucksnest"; die Chabrol Filme; die Filme von Jean Renoir und Jean-Luc Godard, etc.) aus solchen gesellschaftlichen Problemen gemacht haben, dann kommen seine Werke doch sehr kleingeistig und bescheiden daher.
Aber können wir filmisch von ihm was lernen? Im low-budget-Spielfilm-drehen war er schließlich unerreicht.

Johannes Krämer  

P.S. Peter Berling behauptet übrigens in seiner umfangreichen Fassbinder-Biographie, Fassbinder sei bei den Dreharbeiten kaum präsent gewesen und habe sich hinterher sehr geärgert darüber über die Endfassung.
Wie kommt es dann, dass genau dieser Film den typischen Fassbindertouch hat?

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25.11.2017 06:36



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dm1138
User
02.12.2013 07:06
Kommentare: 28
Forenbeiträge: 82

Danke für die Warnung
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