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Mini-Tutorial: Erzeugung des Filmlook mit der Videokamera

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dm1138
User
03.11.2013 10:47
Kommentare: 28
Forenbeiträge: 82

Mini-Tutorial: Erzeugung des Filmlook mit der Videokamera

Hallo Leute, ich möchte hier vor allem Neulingen ein paar Tipps geben, wie man mit relativ günstigen Videokameras einen echten Filmlook erzielt, damit der Film eben nicht nach Video aussieht, sondern nach 35mm Film. Ich bin allerdings  Autodidakt, Garantien für die ultimative Wahrheit gibt's keine.

Am wichtigsten ist eine manuell einstellbare Verschlusszeit, sowie der Modus 25p (oder 30p, wer für NTSC produziert).
Ich nehme also die Kamera und stelle 25p für die Aufnahme ein, ausserdem 1/25s Verschlusszeit. Dies erzeugt eine Bewegungsunschärfe, die derjenigen gängiger Kinofilme sehr nah kommt. Im Vergleich dazu wirkt eine kurze Verschlusszeit oder gar 50i Modus sehr "crispy" in den Bewegungen, bis hin zu unrealistisch scharf, zitternd und teilweise fast schon Migräne-verursachend. Sehr "Video-isch". Sehr gut sieht man das in Michael Manns "Public Enemies", in dem Jonnie Depp John Dillinger spielt. Ich bezweifle, daß es Absicht war, daß viele Einstellungen mit sehr kurzer Verschlusszeit gefilmt wurden, was das Gefühl eines Fersehfilms erzeugt.

Ideal wäre ausserdem, wenn man die Belichtungsautomatik deaktiviert und sollte man dann wegen der langen Verschlusszeit überbelichtet werden, sollte man einen Graufilter aufsetzen, jedoch nicht die Verschlusszeit verkürzen. Das ist natürlich Geschmackssache, einige Filmemacher verwenden absichtlich kurze Shutter/Verschlusszeiten, zb. in Actionszenen, etwa die Typen, die Crank machten.

Und hier sozusagen als Zuckerl noch ein spezieller Tipp: wenn die Kamera den Shutter auf 12.5 oder 6.25 fps reduzieren lässt, dann lassen sich damit faszinierende Fastmotion FX erzeugen. In Schnitt spielt man bei 6.25fps das Material in vierfacher Geschwindigkeit ab und schon begwegt sich der Vampir (osä.) mit übernatürlicher Geschwindigkeit, hat dabei aber ein absolut realistsches Motionblur...
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CyLeT
User
04.11.2013 13:04
Kommentare: 64
Forenbeiträge: 124

Hatte hier eine recht interessante Art gelesen um den filmtypischen Motion-Blur zu erzeugen. Und zwar benutzt man hier interessanterweise Interlace- statt Progressiv-Material.
In After Effects gibt es Möglichkeiten das Video in seinen Halbbilder zu "interpretieren" (rechte Maustaste auf Video) - sprich oberes oder unteres Halbbild zuerst.
Man importiert nun das Video zweimal in sein Projekt und interpretiert eines als "unteres Halbbild zuerst" und das andere als "oberes Halbbild zuerst" und fügt beide Videos in eine Komposition ein. Das mit dem "oberen Halbbild zuerst" packt man ganz nach oben und stellt eine Transparenz von 50% ein.
Dadurch werden jeweils die Bewegungsinformationen der vorderen und nachfolgenden Halbbilder vereint und das Motion-Blur verstärkt.


Hier nochmal die Seite dazu: http://www.dvinfo.net/articles/filmlook/broadway1.php
"In Amerika wird Film gemacht wie ein Kunstwerk und verkauft wie eine Ware. Und in Deutschland ist das genau umgekehrt."
(Christoph Waltz im Interview in "Metropolis", Arte)
capote
User
04.11.2013 19:47
Kommentare: 25
Forenbeiträge: 18

Orginal von dm1138:

Ich nehme also die Kamera und stelle 25p für die Aufnahme ein, ausserdem 1/25s Verschlusszeit. Dies erzeugt eine Bewegungsunschärfe, die derjenigen gängiger Kinofilme sehr nah kommt.


Entschuldigung aber das stimmt so nicht.
Wenn man sich mit einer Digitalkamera dem Analogfilmlook annähern will sollte man wie bei einer analogen Filmkamera bei 25 Bilder pro Sekunde mit einem 50er Shutter arbeiten.
Nur so entsteht auch digital der "Schwarzbildeffekt", der diese anderes anmutende Filmbewegung ausmacht.
dm1138
User
06.11.2013 06:15
Kommentare: 28
Forenbeiträge: 82

Sorry, capote, dem kann ich nicht zustimmen. Nimm irgend einen Kinofilm, betrachte eine schnelle Bewegung frame by frame und du wirst sehen, daß das Motionblur die komplette Bewegung erfasst, nicht nur die Hälfte. Kann schon sein, daß deine Quelle etabliert ist, aber der Praxistest widerlegt sie. Ausserden wäre es unlogisch. In Anbetracht der Funktionsweise unserer Augen. Ich habe beides getestet und ein Shutter von 1/50 bei 25 fps, das zittert, ruckelt. Kann sein, daß beim Analogfilm der Verschluß selber etwas Zeit beansprucht und es so zu einem fade-in/-out kommt, vor und nach der offiziellen Belichtung, das würde es erklären.

PS möglicherweise war das genau der Fehler, den der DP bei Public Enemies gemacht hat, eine Digitalkamera nach Gesichtspunkten eines analogen Shutters zu bedienen?
capote
User
06.11.2013 10:35
Kommentare: 25
Forenbeiträge: 18

Orginal von dm1138:
Kann sein, daß beim Analogfilm der Verschluß selber etwas Zeit beansprucht und es so zu einem fade-in/-out kommt, vor und nach der offiziellen Belichtung, das würde es erklären.


Der Shutter bei einer analogen Filmkamera verschließt das Fenster durch das das Licht fällt in dem Moment in dem der Film weitertransportiert wird zum nächsten Bild um ein Verwischen zwischen den einzelnen Bilder zu verhindern.
goreholio
User
07.11.2013 13:01
Kommentare: 343
Forenbeiträge: 222

Orginal von dm1138:
PS möglicherweise war das genau der Fehler, den der DP bei Public Enemies gemacht hat, eine Digitalkamera nach Gesichtspunkten eines analogen Shutters zu bedienen?


Bei einem zweifach Oscar-nominierten Kameramann würde ich mal von Absicht ausgehen.
Michael Mann wollte einen realistischen Look. Zitat: "We wanted the look of Public Enemies to have a high level of realism, not an overt period feel." Das stand damals in einem Artikel der ASC.
Ob einem der Look zusagt steht auf einem anderen Blatt. Aber es ist in dem Fall das, was der Regisseur wollte.

Ähnliche Reaktionen gab's ja beim Hobbit in der HFR-Fassung. Es fällt eben vielen Leuten schwer, sich mit neuen Dingen anzufreunden. Amateur- und Indiefilmer "kämpfen" jahrelang um ein "kinomäßiges" Bild und dann kommt Michael Mann und macht es einfach umgekehrt... Muss nicht jedem gefallen, ich fand den Look passend bei dem Film.
 goreholio.de |  indigo-board.de
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dm1138
User
09.11.2013 15:33
Kommentare: 28
Forenbeiträge: 82

Und ich dachte, Michael Manns Bemerkung im Audiokommentar, Dillinger sei es im späteren Verlauf seiner Karriere immer schwerer gefallen, gutes Personal zu finden, sei eine doppeldeutige Anspielung gewesen.

Allerdings glaube ich nicht, daß es Absicht war, sonst hätte er es erwähnt. In Collateral redet er auch viel über die Kamera. Ausserdem ist er nicht der Typ für Alleingänge. Er will es Cineastisch, nicht den TV-Touch. Und der ist ja nicht neu. Bloss nicht cineastisch, dieser Charme einer brasilianischen TV Soap. Also, mich hat's gestört, so sehr ich den Film mag. Ausserdem war es nur in einem Teil der Shots, nicht konsistent.

Unabhängig davon kann es aber sein, daß ich mich täuschte mit 1/25 und man besser 1/50 verwendet. So oder so ist man damit weit entfernt von der elektrisiert scharfen Verschlusszeit von zb. 1/1000, die eine Automatik gerne mal einstellt, wenns sonnig ist.

Aber hey, super daß mal wer diskutiert.

Zu der ersten Antwort bezgl. AfterFX wollte ich noch sagen: das klingt sehr nach einem 50:50 Mix Deinterlacing, was leider ein Doppelbild erzeugt, sichtbar insb. wenn man auf Pause drückt. Als Notlösung ok, aber wenn möglich gleich progressiv filmen.
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